Hapalochlaena lunulata - Blauringkrake

Steckbrief


Achtung Gifttier!

Hapalochlaena lunulata besitzt ein extrem starkes Toxin, welches bei einem Biss abgegeben wird und für den Menschen tödlich endet, sofern keine medizinischen Maßnahmen ergriffen werden.

Es handelt sich um das Nervengift Tetrodotoxin (TTX), auch Maculotoxin oder Tarichatoxin genannt.

 

 YourReef.de stellt Ihnen kostenfrei eine PDF mit den wichtigsten Informationen sowie Notfallmaßnahmen bereit.

Diese sollte bei Haltung des Tieres ausgedruckt und deutlich sichtbar beim Aquarium aufbewahrt werden.

 

Download
Notfalldokument.pdf
Adobe Acrobat Dokument 21.2 KB


Steckbrief

Kategorie:                                            Tintenfisch 

Wissenschaftlich:                              Hapalochlaena lunulata

Umgangssprachlich:                         Blauringkrake, Blauringoktopus, Blaugeringelte Krake

Englisch:                                               Blue ringed octopus

Giftigkeit:                                             Tödlich

Futter:                                                   Einsiedlerkrebse, Krabben, Schnecken, Garnelen, Mysis, Artemia

Temperatur:                                        Ca. 23 - 28°C

Größe:                                                  Körperlänge ca. 3 - 5cm (ohne Arme)

Paarhaltung:                                      Nicht empfohlen

Aquarium:                                           Ausbruchsicheres Artenbecken ab 60 Liter + Technikbecken (zwingend nötig)

Schwierigkeitsgrad:                          Schwer

Besonderheiten:                                Sicherheitsmaßnahmen nötig

Systematik & Taxonomie:

Reich: Vielzellige Tiere (Animalia) ► Stamm: Mollusca ► Klasse: Cephalopoda ► Ordnung: Octopoda ► Familie: Octopodidae ► Gattung: Hapalochlaena ► Art: lunulata 


Inhaltsverzeichnis


1. Vorwort

2. Allgemeines zur Haltung

3. Intelligenz

4. Giftigkeit

4.1 Notfallmaßnahmen

5. Vergesellschaftung

6. Geschlecht

7. Einrichtung Artenaquarium

7.1 Ausbruchssicherungen

7.1.1 Zulauf

7.1.2 Ablauf

7.1.3 Abdeckung

8. Der Weg ins Aquarium

9. Fütterung

10. Aussiedlung

11. Alterserwartung und Tod


1. Vorwort



Nicht nur in den nationalen Foren, sondern auch in den internationalen Medien sind sie sagenumwoben: die Blauringkraken (Blue ringed octopus). Auch genannt „Blauringoktopus“ oder „Blaugeringelte Krake“. Kaum ein anderes marines Lebewesen erhält über die Jahre solch eine mediale Aufmerksamkeit wie sie. Ob Schulbuch, Magazin, TV, Forum oder in der Literatur, man kommt kaum an Berichten der Blauringkrake vorbei. Leider geht die Tiefe dieser Artikel meist kaum über die Giftigkeit dieser einzigartigen Tiere hinaus. Im Gegenteil, in den alltäglichen Medien werden diese Tiere mit reißerischen Schlagzeilen versehen und in Foren werden die wildesten Behauptungen aufgestellt, obwohl diejenigen Personen die Tiere noch nicht einmal in Wirklichkeit gesehen haben.

Mit dem richtigen Umgang, kann man diese großartigen Tiere problemlos im eigenen Artenaquarium bewundern.




2. Allgemeines zur Haltung



Es existieren drei (vier) Arten der Blauringkrake:

- die „Große blaugeringelte Krake“ Hapalochlaena lunulata

- die „Kleine blaugeringelte Krake“ Hapalochlaena maculose

- sowie die „Blaugestreifte Krake“ Hapalochlaena fasciata

- Hapalochlaena nierstraszi


Bei Hapalochlaena nierstraszi bestehen jedoch erhebliche Zweifel, ob es sich wirklich um eine valide Art handelt.

Im Handel erhältlich ist meist die Art H. lunulata. Wobei auch diese nur selten erwerbbar ist, was gegebenenfalls auch Wartezeiten von einigen Wochen nach sich ziehen kann. Die wenigsten Händler haben die Möglichkeit die Krake sicher zwischenzuhältern, oder wollen es auch schlichtweg nicht, deshalb werden Blauringkraken meist erst auf Kundenwunsch gesondert importiert (→ siehe 8. Der Weg ins Aquarium).

Alle Unterarten der blaugeringelten Krake weisen ein extrem starkes Toxin (Nervengift) auf, welches mit einem Biss abgegeben wird. Die Vergiftung verläuft ohne geeignete medizinische Maßnahmen tödlich (→ siehe 4.1 Notfallmaßnahmen). Blauringkraken beißen ausschließlich aufgrund von Verteidigungsmaßnahmen. Ein Tintensack ist bei ihnen nicht vorhanden. Die Haltung von Kraken im allgemeinen ist äußerst interessant und in keinem Fall vergleichbar zur Pflege von gewöhnlichen marinen Tieren im Meerwasseraquarium. Unter anderem ist dies auf die extrem hohe Intelligenz von Kraken zurückzuführen. Nicht umsonst wurde auch von Aquarianern schon bemerkt, dass diese Tiere eigene Persönlichkeiten entwickeln und aufzeigen können. Trotz ihrer hohen Giftigkeit, ist Hapalochlaena lunulata erfolgreich und auch sicher im Artenaquarium haltbar. Dies knüpft allerdings an die Bedingung, dass Haltungsfaktoren und Sicherheitsmaßnahmen zwingend beachtet und umgesetzt werden.

Bezüglich Temperaturen ist H. lunulata recht tolerant. Temperaturen von etwa 23°C bis auch 28°C sind im akzeptablen Bereich. Dies rührt daher, dass diese Tiere meist im Flachwasser oder Tümpeln nach Nahrung jagen und dort unterschiedlichsten Temperaturen ausgesetzt sind. Die Größe von Blauringkraken wird oftmals sehr überschätzt. So handelt es sich um die kleinste Krakenart, welche erwerbbar und kultivierbar ist. Die Körpergröße einer adulten H. lunulata misst je nach Tier etwa 3 – 5cm. Die Körpergröße beinhaltet nicht die Arme des Tieres. Auf der Oberseite des Körpers sowie auf den Armen befinden sich zahlreiche blaue Ringe, welche von dunkleren Farbzellen unterlegt sind. Eine blaue Linie verlängert außerdem die Pupille der Krake. Diese Pupillenverlängerung kann unter anderem zur Feststellung der Unterart herangezogen werden. Sie ist typisch für H. lunulata. Sämtliche blauen Ringe können von der Krake durch die eigene Körpermuskulatur pulsiert werden. Dies verstärkt die blauen, leuchtenden Muster um ein Vielfaches. Die Pulsierung gilt als deutliche, optische Warnfärbung.

Die Hautoberfläche von H. lunulata ist nicht glatt, sondern geprägt von winzigsten Ausstülpungen. Die Fortbewegung findet auf Oberflächen durch Arme mittels Saugnäpfe statt. Im Freiwasser durch pumpende, quallenähnliche Bewegungen mit den Armen. Bei beiden Varianten kann sich die Krake sehr schnell fortbewegen.




Große Empfindlichkeiten bestehen bezüglich der Salinität sowie Nesselgiften. Die Salinität muss konstant bleiben und über eine Wassernachfüllanlage geregelt sein. Hierbei sollte das Wasser auf keinen Fall direkt ins Hauptbecken, sondern erst ins Technikbecken geleitet werden. Des Weiteren sollte das Tier möglichst wenig Nesselgiften (keine Glasrosen, Feueranemonen, etc.) ausgesetzt sein. Dies kann ansonsten zu gesundheitlichen Folgen der Krake oder sogar zum Tod führen.
Dieser Faktor wird leider sehr oft unterschätzt oder sogar missachtet.

Die Alterserwartung ist auch heutzutage leider noch nicht genau bekannt. Man geht in der Natur schätzungsweise von 2-4 Jahren aus. In der Aquarienhaltung fällt die Lebenserwartung allerdings meist etwas geringer aus. Männliche Blauringkraken sterben meist einige Zeit nach der Paarung. Die weiblichen Kraken sterben ebenfalls in der Regel nach der Brutpflege, wenn die kleinen Kraken geschlüpft sind. Bereits die frisch geschlüpften Blauringkraken sind giftig.


3. Intelligenz



Kraken heben sich durch ihre hohe und höchst interessante Intelligenz hervor. Fische etwa, haben keine Ahnung, dass sie sich in einem Aquarium befinden. Oktopusse dagegen wissen, dass sie in einer anderen Umgebung sind und wir, als Mensch, außerhalb. Auch in der Aquarienhaltung ist dies beobachtbar. So gibt es Blauringkraken, welche an der Frontscheibe sitzen, ihr Auge gegen die Scheibe drücken und aktiv ihre Besitzer im Raum beobachten.

Kurz- und Langzeitgedächtnis, Schlaf, die Fähigkeit etwas zu erkunden, Dinge zu unterscheiden, einen Charakter zu entwickeln und sogar eine Art Sympathie zu empfinden. Dies sind alles unglaubliche Fähigkeiten von Cephalopoden bzw. Kraken. Das Gehirn erstreckt sich hierbei durch den gesamten Körper. Durch spezielle Proteine in der Haut, können selbst Lichtintensitäten an jeder erdenklichen Stelle des Körpers in unzähligen Abstufungen wahrgenommen werden. Aus Sicht einiger Forscher besteht selbst die Möglichkeit, dass Kraken sich ein Bild ihrer selbst in der Welt machen können, also ein Bewusstsein besitzen.

Umso wichtiger ist auch die Strukturierung des Artenaquariums, um den Tieren möglichst gerecht werden zu können:

Der Gesteinsaufbau sollte aus diesem Grunde über genügend Höhlen und Erkundungsmöglichkeiten verfügen und möglichst abwechslungsreich gestaltet sein. Höhlen und Elemente aus Riffkeramik stellen schöne Ergänzungen dar. Zusätzlich können dem Tier zahlreiche Spiel und Erkundungsmöglichkeiten geboten werden. Unter anderem kann hier zu Muschelschalen, großen Schneckenhäusern, Legosteinen, Plastikkugeln und vielem mehr gegriffen werden. Achten Sie hierbei darauf, dass Sie keine metallischen oder scharfen Gegenstände verwenden.


4. Giftigkeit



Hapalochlaena lunulata besitzt ein starkes Toxin, welches bei einem Biss abgegeben wird und für den Menschen tödlich endet, sofern keine sofortigen medizinischen Maßnahmen ergriffen werden. Es handelt sich um das Nervengift Tetrodotoxin (TTX), auch Maculotoxin oder Tarichatoxin genannt.

Dieses Gift wird von Bakterien im Vorderdarm und den Speicheldrüsen produziert. Es wird direkt an die Nachkommen weitergegeben. Die Blauringkrake setzt das Tetrodotoxin ausschließlich zur Verteidigung ein. Ein Todesfall unter Meerwasseraquarianern ist nicht bekannt.

Das Toxin verursacht innerhalb weniger Sekunden bis Minuten nach dem Biss eine Lähmung des gesamten Nervensystems sowie der Skelett- und Atemmuskulatur, also eine Atemlähmung. Eine Beatmung muss sofort durchgeführt werden, bis die Wirkung des Toxins nachlässt. Dies kann einige Stunden dauern. Wird eine fachgerechte und sofortige Beatmung durchgeführt, bleiben dem Betroffenen meist keine Schäden.

Wenn gefüttert wird, oder sonstige Arbeiten am Technikbecken des Aquariums fällig sind, sollte aus Sicherheitsgründen immer eine zweite Person anwesend sein.


4.1 Notfallmaßnahmen



Bei richtigem Umgang sollte ein Biss nie eintreffen. Vorbeugend sollte man sich trotzdem über jegliche Notfallmaßnahmen im klaren sein, wenn man ein solches Tier halten möchte.

Für den Ernstfall empfehlen wir, das oben kostenlos zur Verfügung gestellte Notfalldokument (PDF) ausgedruckt und gut sichtbar am Aquarium aufzubewahren. Dies kann im Notfall Ihnen, Ihrem Umfeld oder dem Notarzt lebensrettende Informationen liefern. Weihen Sie ihre Mitbewohner ein und lassen Sie das Notfalldokument von allen Mitbewohnern gründlich lesen. Sicherheitshalber ist der Kauf eines Beatmungsbeutels (ca. 30€) ratsam. Eine Beatmungsmaschine kann ebenfalls eine Überlegung wert sein. Diese direkt mit dem Notfalldokument sichtbar aufbewahren.

Im Falle eines Bisses oder dem Verdacht sollte der Betroffene sofort sein Umfeld auf die Situation aufmerksam machen. Diese müssen unmittelbar den Notruf unter 112 absetzen und idealerweise direkt auf eine nötige Beatmung hinweisen. Der Betroffene sollte sich auf den Boden legen. Nach oder schon während dem Notruf muss die anwesende Zweitperson möglichst ohne Unterbrechung eine Beatmung durchführen, bis der Rettungsdienst übernimmt. Idealerweise kann hierzu ein Beatmungsbeutel verwendet werden, wenn verfügbar. Falls zusätzlich möglich, den Puls kontrollieren um im Notfall eine Wiederbelebung durchzuführen.

Ist das Tier, aus welchen Gründen auch immer, aus dem Aquarium gekommen, versuchen Sie keinesfalls es einzufangen . Wählen Sie präventiv den Notruf unter 112, damit medizinische Kräfte vor Ort sind.


5. Vergesellschaftung



Grundlegend sind Blauringkraken absolute Einzelgänger, mit Ausnahme in den Paarungszeiten. Aus diesem Grunde sollte auf eine Paarhaltung verzichtet werden. Wenn unbedingt die Haltung von zwei Exemplaren angestrebt wird, empfehlen wir ein Artenbecken mit mindestens 250 Liter Fassungsvermögen, damit die Tiere sich aus dem Weg gehen können.

Korallen dürfen nur begrenzt und sporadisch eingesetzt werden, da die Nesselgifte den Kraken schaden. Aus diesem Grund muss das Artenaquarium ebenso frei von Glasrosen und Manjanos sein. Es sollten ausschließlich Korallen verwendet werden, welche sehr wenig Nesseln. Dazu gehören die meisten Weich- und Lederkorallen wie beispielsweise Xenia umbellata, Capnella imbricata. Eine gute Alternative um etwas Farbe in das Aquarium zu bekommen sind verschiedene Makroalgen wie Caulerpa taxifolia, Rotalgen, etc. Diese sorgen gleichzeitig für eine bessere Wasserqualität.

Große Krabben und größere frei schwimmende Fische können in gewissem Maße mit Blauringkraken vergesellschaftet werden, sofern genügend Platz im Aquarium vorhanden ist, damit sich die Tiere aus dem Weg gehen können und man ihren jeweiligen Bedürfnissen nachkommen kann. Es sollte sich auf keinen Fall um räuberisch lebende Tiere handeln. Wird ausreichend gefüttert und die Größendifferenz ist gegeben, wird die Krake den Tieren wenig Beachtung zukommen lassen. Eine Garantie, dass nicht doch irgendwann ein Übergriff stattfindet, gibt es allerdings nicht. Es existieren Berichte über Vergesellschaftungen mit Seesternen (nicht räuberische Arten) und Mördermuscheln, dies müsste aber individuell versucht werden.

Einsiedler, Schnecken und kleine Krabben können ebenfalls eingesetzt werden. Diese enden allerdings früher oder später als sicheres (hochwertiges ;-) ) Futter. Auf alle anderen Tiere (Fangschreckenkrebse, Seeigel, Grundeln, Garnelen…) muss verzichtet werden.

6. Geschlecht



Männliche blaugeringelte Kraken besitzen einen gesondert entwickelten, sogenannten „dritten linken Arm“. Dieser wird in der Fachsprache auch als Hectocotylus bezeichnet. Der „dritte linke Arm“ dient zur Fortpflanzung. Beim Geschlechtsakt gibt dieser Tentakel sogenannte Spermatophore ab. Das sind mit Spermien gefüllte Kapseln, welche bei der Begattung aufplatzen, um die Spermien freizugeben.

Weibliche Exemplare besitzen eine Mantelhöhle, in welcher die Eier durch den Hectocotylus bzw. die Spermatophoren befruchtet werden. Männliche Blauringkraken sterben meist einige Zeit nach der Paarung. Die weiblichen Kraken sterben in der Regel ebenfalls nach der Brutpflege, wenn die kleinen Kraken geschlüpft sind.



7. Einrichtung Artenaquarium




Ein Artenaquarium ist aufgrund der besonderen Haltungs- und Sicherheitsfaktoren unumgänglich.
Ein Hantieren im Aquarium selbst, würde ein erhebliches Risiko bedeuten. Daher sollte unbedingt das Hauptbecken mit einem Technikbecken inklusive Verrohrung erweitert werden. Ein Anschluss an ein bestehendes Aquariensystem ist ebenfalls im Bereich des Möglichen. Hierüber können Wasserwechsel und eventuell erforderliche technische Wartungen vollzogen werden. Auch Refugien im Technikbecken sind möglich. Beim Wasserwechsel müssen keine hochwertigen Salze verwendet werden. Die Wasserparameter spielen bei dieser Art von Besatz nur eine untergeordnete Rolle.

Folgende technischen Geräte sind für die Pflege einer Blauringkrake erforderlich:

- Heizstab

- leistungsstarker Abschäumer

- Beleuchtung (LED / T5/ etc.)

- leistungsstarke Förderpumpe (ersetzt Strömungspumpen)

- Wassernachfüllanlage


Alle Geräte auf die jeweilige Aquariengröße abgestimmt und im Technikbecken untergebracht. Als Mindestmaß gilt bei Hapalochlaena lunulata 60 Liter + Technikbecken. Hierbei sind Rechteckaquarien auf jeden Fall vorzuziehen, da ihre Grundfläche größer ist. Die Beleuchtung kann schwach ausfallen, da ohnehin nur Makroalgen, Weich- und Lederkorallen sowie einige Gorgonienarten gepflegt werden sollten (→ siehe 5. Vergesellschaftung).

Die Förderpumpe ersetzt sämtliche Strömungspumpen innerhalb des Aquariums und muss deshalb sehr großzügig gewählt werden. Leistungsverluste durch Winkel, Förderhöhen, etc. spielen hier ebenfalls eine große Rolle. Je nach Größe des Aquariums sollte zu mehreren verstellbaren Auslassköpfen im Aquarium gegriffen werden. Somit kann die Strömung während der Einfahrphase perfekt und individuell eingestellt werden. Bevor es zum Einsetzen der Blauringkrake kommen kann, muss das Aquarium sehr gut eingefahren sein, sämtliche Technik sowie Ausbruchssicherungen installiert und auch alle Korallen und Algen eingesetzt sein. Auch die Anbringung eines schwimmenden Scheibenreinigers darf nicht vergessen werden. Des Weiteren muss das Aquarium bereits vor Besetzung glasrosen- und manjanofrei sein. Daher sind Riffkeramik und Life Rock im Gegensatz zu Lebendgestein eine Überlegung wert.

Lassen Sie sich bis zum Punkt des Einzugs ruhig Zeit und überstürzen Sie nichts. Die Salinität sollte etwa im Bereich von 33,0 - 36,0 psu (Dichte bei 25°C: 1,021 – 1,025 g/cm^3) liegen. Schwankungen unbedingt vermeiden, da Kraken hier sehr empfindlich reagieren können. Die anzustrebende Temperatur liegt bei ca. 24°C – 26°C. Allerdings sind auch Abweichungen zeitweise toleriert. Beim Sand bleibt Ihnen die freie Auswahl. Ein interessantes Farbspiel stellt hier schwarzer Sand in Verbindung mit den blauen Ringen der Krake dar.

Wir von Jesz empfehlen, auf der Frontscheibe des Artenbeckens einen Warnaufkleber anzubringen. Dies zeigt nicht nur anderen Personen „Achtung giftig“, sondern ruft auch einem selbst die eigentliche Tödlichkeit des Tieres wieder in den Sinn. Gute Folienaufkleber lassen sich mit einem Zug rückstandslos entfernen.




7.1 Ausbruchssicherung




7.1.1 Zulauf


Die Verrohrung muss dicht abschließen und im Idealfall fest verbunden sein. Die Auslassköpfe müssen so gewählt werden, dass für die Krake keine Möglichkeit besteht, durch Sie zu entweichen. 2-4mm stellen für uns bereits das Maximum dar, da sich Kraken durch extrem kleine Öffnungen zwängen können. Alternativ kann auch mit Fliegengitter (aus Plastik) gearbeitet werden, welches zuvor (bombenfest!) auf die Öffnungen geklebt wird oder mittels Kabelbindern befestigt wird. Durch die feinen Maschen entstehen allerdings erhebliche Leistungsverluste der Förderpumpe.

Außerdem darf nicht vergessen werden, dass die Maschen sich im schlechtesten Fall mit abgestorbenen Algen, etc. zusetzen können. Dies ist deshalb ein Problem, da von späteren mechanischen Reinigungen aufgrund des Gefahrenpotenzials abgesehen werden sollte.


7.1.2 Ablauf


Die Verrohrung muss ebenfalls dicht abschließen und im Idealfall fest verbunden sein. Der Ablauf muss so gewählt werden, dass für die Krake keine Möglichkeit besteht, durch ihn zu entweichen. 2-4mm stellen für uns bereits das Maximum dar, da sich Kraken durch extrem kleine Öffnungen zwängen können. Alternativ kann auch mit Fliegengitter (aus Plastik) gearbeitet werden, welches zuvor (bombenfest!) auf die Öffnungen geklebt wird oder mittels Kabelbindern fixiert wird. Durch die feinen Maschen entstehen allerdings erhebliche Leistungsverluste der Förderpumpe.

Außerdem darf nicht vergessen werden, dass die Maschen sich im schlechtesten Fall mit abgestorbenen Algen, etc. zusetzen können. Dies ist deshalb ein Problem, da von späteren mechanischen Reinigungen aufgrund des Gefahrenpotenzials abgesehen werden sollte.

7.1.3 Abdeckung


Eine Abdeckung mit sehr feinen Netzen (Fliegengitter aus Plastik) ist zwar theoretisch möglich, allerdings schwer zu realisieren, unsicher und ästhetisch nicht gerade schön. Das Fliegengitter müsste exakt mit dem Aquarienglas abschließen, verklebt oder gewichtet werden (da leichte Dinge von Blauringkraken problemlos gehoben werden könnten ) und trotzdem für Fütterungen zugänglich sein.

Eine weitaus geeignetere Möglichkeit ist die Nutzung einer Glasabdeckung (nicht Acrylglas, da Wärme und Feuchtigkeit das Material beeinflussen können). Hierbei wird eine passgenaue Glasscheibe verwendet, welche auf das Aquarium aufgelegt wird. Ein Rahmen kann die Ästhetik abrunden. Es bestehen im Grunde drei Möglichkeiten:

1. Glasscheibe wird nur aufgelegt, eventuell bewichtet und zur Fütterung wird die Glasscheibe punktuell für wenige Augenblicke angehoben, vorausgesetzt die Entfernung zum Tier ist ausreichend und eine Zweitperson ist anwesend.

2. Die Glasscheibe erhält eine Bohrung, in welche eine Tankdurchführung eingesetzt wird. Diese kann zur Fütterung genutzt werden und entweder mittels Stopfen, Deckel oder Ventil (z.B. Kugelhahn) sicher verschlossen werden. Die Scheibe wird anschließend fest auf dem Aquarium befestigt (Klebeband, Silikon, etc.) oder aufgelegt und gewichtet.
Wir empfehlen diese komfortable und sichere Variante.

3. In die Scheibe wird eine Luke gebohrt oder gesägt. Dies kann von einem Fachmann, oder auch selbst mittels Glasbohrern durchgeführt werden. Auf die nun entstandene Luke werden seitlich Schiebeprofile geklebt. In diese wird eine passende Glasscheibe eingeführt, welche zur Fütterung über die Profile verschoben werden kann. Die Glasscheibe muss über eine Sicherung verfügen, damit diese vom Tier nicht selbst verschoben werden kann. Die Scheibe wird anschließend fest auf dem Aquarium befestigt (Klebeband, Silikon, etc.) oder aufgelegt und gewichtet.


8. Der Weg ins Aquarium



Sind nun alle Rahmenbedingungen erfüllt, kann man sich Gedanken über die Einsetzung der Krake machen.

Je nach Verfügbarkeiten bei den Importeuren muss mit Lieferzeiten zwischen 2 – 6 Wochen gerechnet werden. Dies liegt einerseits daran, dass Händler Blauringkraken oft nicht zwischenhältern können oder wollen (also meist erst bei Auftrag importiert werden), andererseits aufgrund der extremen Giftigkeit nicht ganz einfachen Fanges aus der Natur. Nachzuchten sind derzeit leider noch nicht erhältlich (→ siehe Reiter „Zucht / Vermehrung“). Vergewissern Sie sich beim Verkäufer, dass es sich nicht um extrem junge, also sehr kleine Blauringkraken handelt. Diese können sich durch kleinste Öffnungen zwängen.

Parallel zur Bestellung des Tieres, empfehlen wir den Kauf von dicken, sehr feinmaschigen Sicherheitshandschuhen, puderfreien Einmalhandschuhen, einer langen Pinzette sowie einer langen Schere. Bei letzteren ist es ratsam, auf rostfreie Varianten aus der Aquaristik zurückzugreifen.

Ist der Tag der Zustellung gekommen, vergewissern Sie sich, dass eine Zweitperson anwesend ist. Störfaktoren, Katzen, Hunde oder andere Haustiere sollten sich während dem Einsetzungsvorgang nicht im Raum befinden. Bevor das Paket geöffnet wird, ziehen Sie nun die Einmalhandschuhe sowie die Sicherheitshandschuhe an. Ob diese bei einem Biss letztendlich wirklich schützen würden, ist zwar fragsam, allerdings besser als direkter Hautkontakt im Notfall. Schere, Pinzette, eine Nadel und ein Telefon sollten schon vorher in Griffweite bereitgelegt sein. Öffnen Sie nun vorsichtig das Paket um den Beutel mit dem Tier nicht zu beschädigen. Überprüfen Sie den Beutel erst einmal durch Sichtung in sicherem Abstand auf eventuelle Beschädigungen. Sollten mehrere Tüten verwendet worden sein, entfernen Sie alle bis auf die, die das Tier beherbergt (vorausgesetzt dies ist möglich, ohne den Hauptbeutel zu öffnen). Anschließend hängen Sie den Beutel einfach in das vorgesehene Artenaquarium. Somit kann sich die Krake an die herrschenden Wassertemperaturen klimatisieren. Die Blauringkrake steht nach dem Versand unter enormem Stress und sollte erst einmal in Ruhe gelassen werden. Ein dimmen oder ausschalten der Beleuchtung kann ebenfalls sinnvoll sein.

Sie haben später noch genügend Zeit Ihren neuen Liebling im Aquarium zu betrachten.

Nach etwa einer Stunde beginnen Sie über einen Zeitraum von 4-5 Stunden die Angewöhnung an die Salzdichte sowie der Wasserqualität. Dies funktioniert sicher, indem über den Zeitraum verteilt, immer wieder kleinste Löcher mit einer Nadel in den Beutel gestochen werden. Somit kann ein Austausch zwischen Transport- und Aquarienwasser stattfinden. Seien Sie mit den Löchern nicht sparsam, aber achten Sie darauf, genügend Abstand zum Tier zu halten, um es nicht zu verletzen oder zu stressen. Die Löchermethode bietet sich aufgrund der Giftigkeit und Dichteempfindlichkeit idealerweise an.

Ist die Angewöhnung abgeschlossen, kommt es zum Einsetzen des Tieres. Zur Überführung gibt es zwei Möglichkeiten. Für welche Sie sich schlussendlich entscheiden, liegt in ihrem Ermessen:

1.
- Legen Sie die Abdeckung griffbereit (eventuell durch zweite Person)
- Halten Sie den Beutel im Aquarium mit der Pinzette an oberster Stelle fest und schneiden Sie ihn ein Stück auf
- Lassen Sie den geöffneten Beutel ins Aquarium gleiten
- Verschließen Sie das Aquarium mit der Abdeckung Die Blauringkrake wird nun früher oder später selbstständig den Beutel verlassen. Dieser wird irgendwann mit der langen Pinzette entfernt, wenn der Abstand zum Tier groß genug ist und es sich beruhigt hat (Pulsierung der Ringe hat stark nachgelassen).Alternativ kann auch vor dem Einsetzungsprozess eine dünne, aber stabile Schnur an der Tüte angebracht werden. Mit ihr wird die Tüte dann aus dem Aquarium gezogen.

2.
- legen Sie die Abdeckung griffbereit (eventuell durch zweite Person)
- halten Sie den Beutel über dem Aquarium fest und schneiden Sie ihn auf
- nun gießen Sie die Krake samt Wasser zügig in das Aquarium
- sobald die Krake aus dem Beutel ist, sofort die Abdeckung aufsetzen


9. Fütterung



Zur Fütterung geeignet sind Garnelen (Futtergarnelen), kleine Krabben, Einsiedler, Frostfutter (Mysis, Artemia) und evtl. Schnecken. Die Größe des Futters sollte nicht zu groß gewählt werden, da es sonst oft erst einmal ignoriert wird. Allgemein gilt, nicht jede Blauringkrake frisst das Gleiche. Auch sie sind Individuen, bei denen einfach ausprobiert werden muss.

Wenn eine Futterdurchführung (→ siehe 7.1.3 Abdeckung) existiert, kann leicht und sicher hierüber verfüttert werden.


10. Aussiedlung



Eine Aussiedlung sollte nur dann gewagt werden, wenn keine Alternative besteht.

Im Vorfeld sollte ein sicherer Abnehmer gefunden werden, welcher die Haltungsfaktoren kennt und auch erfüllen kann.

Ist dies einwandfrei geklärt, kann es um den Fang des Tieres gehen. Vom Fang mit Kescher oder sonstigem raten wir dringend ab. Nutzen Sie stattdessen Möglichkeiten wie etwa Fischfallen mit Köder. Kleben Sie im Vorfeld mögliche Fluchtmöglichkeiten durch Löcher und Schlitze mit Fliegengitter fest ab.

Achten Sie auch hier auf eine anwesende Zweitperson (und dieselben Sicherheitsvorkehrungen wie in → 8. Der Weg ins Aquarium).

11. Alterserwartung und Tod



Die Alterserwartung ist auch heutzutage leider noch nicht genau bekannt. Man geht in der Natur schätzungsweise von etwa 2-4 Jahren aus. In der Aquarienhaltung fällt die Lebenserwartung allerdings meist etwas geringer aus. Männliche Blauringkraken sterben meist einige Zeit nach der Paarung. Die weiblichen Kraken sterben ebenfalls meist nach der Brutpflege, nachdem die kleinen Kraken geschlüpft sind.

Entgegen einiger forenläufiger Meinungen, gibt es nach dem Tod der Blauringkrake keinerlei Hinweise auf eine Abgabe des Giftes an das Aquarienwasser. Produzent dieses Giftes ist ebenso nicht die Krake selbst, sondern Bakterien, welche im Vorderdarm sowie in den Speicheldrüsen der Krake leben. Wir selbst konnten bei unserem Exemplar nach dem Ableben sogar beobachten, dass der Körper des Tieres innerhalb weniger Tage von den eigentlichen Futtertieren (Einsiedler und Krabben) beinahe restlos gefressen wurde. Bereits wenige Minuten nach dem dem Tod flogen unter den Tieren die Fetzen, wer als erstes fressen darf. Die „Futtertiere“ leben übrigens bis heute ;-)

Wer trotzdem auf Nummer sicher gehen möchte, verwendet armlange Aquarienhandschuhe oder lässt erst einmal einige Tage verstreichen, bis ins Aquarium gegriffen wird.

Aufgrund des relativ kurzen Lebenszyklus des Tieres, eignet sich das verbliebene Artenaquarium ideal, um auch andere Spezialisten zu halten, wie etwa Sepien.
Diese Seite befindet sich im Aufbau.
Diese Seite befindet sich im Aufbau.
Diese Seite befindet sich im Aufbau.
Diese Seite befindet sich im Aufbau.

Dominik Jesz 

Autor/-in

YourReef CEO   |   Rettungsdienst   |   Leutkirch im Allgäu   |   YourReef.de 



YourReef.de sowie alle hier tätigen Autoren übernehmen keinerlei Gewähr für Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen YourReef.de oder die Autoren, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der angebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich ausgeschlossen.


Sie haben Ergänzungen oder Verbesserungsvorschläge?

Teile mit deinen Freunden